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Mist drips down like fragile grace - Druckversion

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Mist drips down like fragile grace - Nolan Parrish - 21.02.2026

Zielgerichtet hatte er den Einkaufswagen heute durch den Supermarkt geschoben um all die Dinge einzuladen, die Charlie in der Theorie gerne mochte. In der Praxis war er sich trotzdem nicht sicher, ob sein Freund irgendwas davon anrühren würde. In letzter Zeit schien der Lockenkopf damit nämlich Probleme zu haben und sie waren mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem Nolan sich wirklich Sorgen machte und sich zeitgleich nicht sicher war, ob er sich Dinge vielleicht einfach nur einbildete. Er selber hatte heute sturmfrei und hatte seinen Freund daher eingeladen vorbeizukommen. Vordergründig um einfach die Zeit mit ihm zu genießen und ihm den Raum zu geben, hier einfach mal ausspannen zu können. Zeitgleich würde er die Gelegenheit aber auch nutzen um zu ergründen, ob er sich Dinge einbildete oder ob er sich vielleicht doch Sorgen gemacht hatte.

Sein Zimmer hatte er picobello aufgeräumt und sauber gemacht, er hatte eine Vorauswahl an Filmen und Serien rausgesucht, damit Charlie es leichter fiel sich zu entscheiden und falls ihm kalt sein würde, hatte er seinen Pullover nach dem Duschen nicht in die Schmutzwäsche gelegt, sondern zusammengefaltet auf dem Nachttisch platziert. Schmutzig war er nicht und er wusste, dass Charlie gerne seine getragenen Pullover trug.
Der erste Gedanke war gewesen, voll all in zu gehen und sich richtig Mühe zu geben, in dem er selber kochte und seinen Freund mit ein kitschigen Dinner überraschte. Er fürchtete nur, dass das vielleicht zu viel des Guten war und den Anderen eher überfordern würde. Letztlich hatte er sich also dazu entschieden zweierlei Eissorten zu kaufen (Schokolade und Haselnuss), etwas Obst, das man gut nebenbei snacken konnte und Pizzateig, den sie gemeinsam belegen konnten. Das war alles recht einfach, aber einfach war ja oft die beste Entscheidung.

Zum Schluss hatte er noch den Hund ausgeführt, Nelly durfte immerhin nicht zu kurz kommen!, und so konnte er federnden Schrittes zur Tür eilen, als er das melodische Klingeln hörte. „Hi“, grüßte er Charlie direkt mit einem warmen Lächeln im Gesicht, während sein Herz beim Anblick des Anderen gleich ein paar Takte schneller schlug. Mit all seinen Ecken und Kanten, mit all seinen Problemen und Lasten, die er auf den Schultern trug, war Charlie für ihn zum Inbegriff der Perfektion geworden. Er liebte diesen Jungen. So sehr, dass er sich wünschte, die ganz Welt wüsste davon. Und zeitgleich hatte er eine Heidenangst davor, dass die ganze Welt wusste, wie viel Charlie ihm bedeutete, weshalb es bisher nur ein paar enge Freunde und Familienmitglieder wussten. Na gut, fürs Erste musste das halt reichen. Erst mal trat er nun aber zur Seite, damit sein Freund eintreten und er die Tür hinter ihm schließen konnte. Kaum war das erledigt, legte er seine Arme um ihn und drückte ihn erst mal. „Du hast mir gefehlt.“ Immerhin hatten sie sich schon seit beinahe 24 Stunden nicht gesehen! Es folgte ein Blick in die Augen des Anderen und von den Augen auf die Lippen, ehe er ihn schließlich zu einem sanften Begrüßungskuss heranzog. Zumindest bis Nelly das Ganze zu bunt wurde und sie vehement ihre Nase an Charlies Bein stupste. Warum war sie denn noch nicht begrüßt worden?!


RE: Mist drips down like fragile grace - Charlie Deering - 22.02.2026

Er war schon oft bei Nolan zu Hause gewesen. Hatte mit ihm Zeit verbracht. Mit Nelly gespielt. Mit Nolans Mom in der Küche gesessen und Smalltalk geführt. Und trotzdem – obwohl er dort inzwischen fast ein und aus ging wie selbstverständlich – fühlte es sich jedes Mal ein bisschen besonders an. Dieses schöne Komisch. Dieses Oh mein Gott, ich bin wirklich hier-Gefühl. Vielleicht war genau das der Grund gewesen, warum er so lange vor seinem Kleiderschrank gestanden hatte. Hausaufgaben waren erledigt, das Kunstprojekt fast fertig, Schlagzeug hatte er auch schon geübt – also hatte er Zeit gehabt. Und die hatte er genutzt. Zu intensiv vielleicht. Zu viele T-Shirts. Zu viele Pullover. Cardigans. Jacken. Alles sah plötzlich entweder zu bemüht oder zu langweilig aus. Die Jeans wirkten zu eng. Oder zu weit. Oder einfach falsch. Seine Haare? Katastrophe. Er hatte sich mindestens dreimal wieder umgezogen. Am Ende war es dann doch etwas geworden, worin er sich wirklich wohlfühlte. Ein dunkelgrünes T-Shirt, darüber ein gestreifter, bunter Pullover. Schwarze Jeans mit Löchern an den Knien – auch wenn ihm jetzt schon klar war, dass ihm kalt werden würde. Und natürlich seine abgetragenen, weißen Chucks, die längst nicht mehr wirklich weiß waren. Die gingen immer. Kuschelige Jacke drüber, letzter Blick in den Spiegel – die Haare saßen … irgendwie – und dann war es okay. Nicht perfekt. Aber okay. Charlie verabschiedete sich noch von seinem Stiefdad, seiner Mom und seinen beiden Schwestern, bevor er das Haus verließ. Und auf dem Weg zu Nolan konnte er dieses Grinsen einfach nicht unterdrücken.

Dieses Kribbeln war wieder da. Dieses dumme, schöne, nervöse Kribbeln, das jedes Mal auftauchte, wenn er an Nolan dachte. Nie im Leben hätte Charlie gedacht, dass er irgendwann Nolan Parrisch seinen Freund nennen würde. Diesen Jungen mit den unfassbar schönen Augen. Mit den Armen, in denen er sich immer ein bisschen sicherer fühlte als überall sonst. Und ja – sie waren ein Paar. Auch wenn es nicht so öffentlich war, wie Charlie es sich manchmal wünschte. Aber er würde Nolan niemals drängen. Niemals. Nicht nach allem, was er selbst erlebt hatte. Nicht nachdem er unfreiwillig geoutet worden war. Vor allen. Und danach …
Nein. Stopp. Nicht da reinrutschen. Nicht heute. Er schüttelte innerlich den Kopf, als würde er die Gedanken abschütteln können, und konzentrierte sich stattdessen auf das Haus vor ihm. Das bekannte Klingelschild. Den Weg zur Tür. Er klingelte. Die Tür ging auf. Nolan stand da. Und allein dieses Bild reichte schon, um Charlies Herz einen kleinen Aussetzer verpassen zu lassen. »Hi«, sagte er, und hoffte, dass man nicht hören konnte, wie sehr seine Stimme gerade versuchte, ruhig zu klingen. Und da waren sie wieder: die Schmetterlinge. Er trat ein und wurde sofort in den Arm gezogen. Geküsst. Einfach so. Und Charlie erwiderte es sofort. Natürlich tat er das. Er liebte es, Nolan zu küssen. Seine Lippen waren weich. Warm. Und diese Arme … er mochte sie wirklich. Sehr.

»Du hast mir auch gefehlt«, murmelte er, noch ein bisschen atemlos, bevor er nach unten sah. Nelly stupste ihn aufgeregt an. Charlie lachte leise und ging in die Hocke, kraulte die Hündin mit beiden Händen. »Dich habe ich natürlich noch mehr vermisst. Alleine deinetwegen wäre ich heute hergekommen, Nelly.« Okay, das stimmte vielleicht nicht ganz. Er war wegen Nolan hier. Definitiv wegen Nolan. Aber Nelly war eben auch ziemlich perfekt. Als die Hündin zufrieden davontrottete, zog Charlie seine Jacke aus, hielt sie noch locker in der Hand und sah zu Nolan hoch. Sein Herz klopfte wieder schneller. Nicht aus Angst. Sondern aus Vorfreude. »Also …«, begann er grinsend und fuhr sich kurz durch die Haare, »sturmfrei heute. Meine Mom will, dass ich um zehn zu Hause bin. Dad meinte, elf geht auch klar – und er regelt das mit ihr.« Er zuckte leicht mit den Schultern. »Wir haben also viel Zeit.« Ein schiefes Grinsen erschien auf seinem Gesicht. »Hast du irgendwas geplant? Oder soll ich dich wieder bei Mario Kart vernichtend schlagen?« Er knuffte ihn mit der Faust scherzhaft gegen die breite Brust.


RE: Mist drips down like fragile grace - Nolan Parrish - 24.02.2026

Charlie zu küssen, öffnete für ihn immer ein Portal in eine andere Welt. Zumindest für den Moment des Augenblicks war dann alles in Ordnung. In dieser anderen Welt musste er sich keine Sorgen um seinen Freund machen, weil es ihm gut ging und er nur so strotzte vor Selbstbewusstsein. In dieser Welt wusste jeder, dass sie ein Paar waren und niemand hatte ein Problem damit. Er musste sich dort keine Gedanken darüber machen, ob er noch mit seinen Freunden aus dem Team befreundet sein konnte oder ob er Charlie damit in den Rücken fiel, weil alles miteinander klar kamen. Er wusste, dass es diese herrliche Utopie nie wirklich geben würde, es sie nicht geben konnte. Die Welt funktionierte so nicht. Nur wenn sie sich küssten und diese Moment konnte keiner ihm nehmen.

Melodramatisch schlug er sich seine Hand auf die Brust, als sie den Kuss gelöst hatten und Charlie seine Hündin begrüßte und behauptete, ja nur ihretwegen hergekommen zu sein. „Das ging direkt hier rein“, bekräftigte er seine Geste dann noch, ehe er doch leise lachen musste. „Ja, sturmfrei heute“, bestätigte er die Aussage seines Freundes und konnte nicht anders, als dabei von seinen Augen zu seinen Lippen und wieder zurück zu blicken. Natürlich hatte er sich ein paar lose Programmpunkte überlegt, diese wundervollen Lippen zu küssen, gehörte aber definitiv auch dazu. Vor allem heute, wo niemand sie stören konnte. Gespielte Empörung trat in sein Gesicht, gefolgt von einem herzhaften Lachen. „Und woher genau möchtest du wissen, dass ich nicht heimlich trainiert habe und dich komplett an die Wand spielen werde, hm?“, fragte er dann und hatte das natürlich nicht gemacht. Er war wirklich absolut miserabel in Mariokart. So sehr, dass seine Mutter schon gescherzt hatte, dass es vielleicht wirklich keine gute Idee war ihren Sohn den Führerschein machen zu lassen. „Aber wir können gerne später was zocken. Ich hab auch ein paar Filme und Serien raus gesucht, falls du einfach nur chillen magst. Und ich bring dich heute Abend nachhause.“ Er mochte es einfach nicht, wenn Charlie alleine heim ging. Mutmaßlich weil seine Mutter ihm immer eingebläut hatte, dass er seine Freundinnen spät abends nicht alleine nachhause laufen lassen sollte. Charlie war kein Mädchen, das war ihm klar, trotzdem machte er sich um ihn nicht weniger Sorgen. Er wollte einfach sicher sein, dass er sicher zuhause ankam.

„Ich hab aber auch Eis da. Und Pizza zum selber belegen mit so ziemlich jedem Topping, das du dir vorstellen kannst.“ Er sagte das beiläufig. So als sei das wirklich nur eine Randinformation und kein Teil seiner Ermittlungsarbeit. „Ich hab nämlich echt Hunger und dachte, wir essen heute vielleicht zusammen?“ Das war doch nicht zu auffällig oder? Viele Leute aßen zusammen, vor allem Paare. Trotzdem verhakten seine Finger sich in denen seinen Freundes.
„Oder gibt es irgendwas, worauf du Lust hast? Wir können alles machen.“ Mit Charlie würde er im Zweifel auch einfach den ganzen Abend lernen oder auf den Stufen vor dem Haus sitzen und vorbeifahrende Autos zählen. Es spielte keine Rolle, was genau sie machten, solange sie es nur gemeinsam unternahmen. Gerade ging er davon aus, dass sie wahrscheinlich erst mal nach oben in sein Zimmer gehen würde, aber er wollte nichts implizieren und so sah er erst mal fragend in die braunen Augen, in denen man sich so wunderbar verlieren konnte.


RE: Mist drips down like fragile grace - Charlie Deering - 02.03.2026

Als Charlie in Nolans Gesicht sah, nachdem er dessen – seiner Meinung nach sehr überschaubares – angebliches Talent in Mario Kart angesprochen hatte, konnte er gar nicht anders, als breit zu grinsen. So breit, dass man seine Zähne viel zu deutlich sah. Seine Augenbrauen wanderten fragend nach oben, als hätte Nolan gerade etwas gesagt, das man wirklich kritisch hinterfragen musste. Was – zugegeben – auch der Fall war. »Du hast für Mario Kart trainiert?« wiederholte er ungläubig und zog die Worte leicht in die Länge. »Irgendwie glaube ich dir das nicht, aber du kannst es später gerne beweisen.« Ein schiefes Grinsen folgte, dieses typische Ich-weiß-sowieso-dass-ich-gewinne-Grinsen. Sie hatten ja noch genug Zeit. Auch wenn Charlie nicht vorhatte, den ganzen Abend nur mit einem Controller in der Hand vor dem Fernseher zu verbringen. Lieber waren im Nolans Hände in seinen. Oder Nolans Hände in seinem Nacken. Oder auf seinem Oberschenkel.

Zuerst schälte er sich aus seiner Jacke, hing sie ordentlich an die Garderobe, legte auch den Schal dazu, während er Nolans Planung lauschte. Die Hände faltete er locker ineinander, sah ihn an – und begann dann, völlig unbewusst, am Saum seiner zu langen Ärmel herumzuzupfen, als das Wort Pizza fiel. Natürlich fiel es. Pizza war normal. Pizza war einfach. Pizza war … kompliziert. »Klingt nach einem tollen Plan«, sagte er mit ehrlichem Lächeln, und das war es auch. Wirklich. Irgendwo hatte er sogar Hunger. Vielleicht. Ein bisschen. Oder auch nicht. Dieses diffuse Gefühl welches er sehr häufig hatte eben. »Hast du heute noch nichts gegessen?« fragte er verwundert. Nolan konnte normalerweise essen wie ein Weltmeister – Training, Muskeln, Energie und so. »Wir können uns gerne eine Pizza machen. Klingt auf alle Fälle super.«
Und es klang super. Es war ein normaler, schöner Plan. Wäre da nicht diese leise, nervige Stimme in seinem Hinterkopf. Die fragte, ob er das wirklich brauchte. Ob er heute nicht schon genug gegessen hatte. Ob es auffallen würde, wenn er zu wenig aß. Ob Nolan sich Sorgen machen würde. Ich will kein Problem sein, war eine Sorge, die ihn dabei häufig quälte. Der Gedanke kam automatisch. Sein Körper spannte sich minimal an, fast unmerklich. Warum war Essen für alle anderen einfach nur … Essen? Und für ihn ein Rechenbeispiel?

Er merkte, wie sich dieses enge Gefühl in seiner Brust ausbreiten wollte, wie ein zu enger Pullover, den man nicht schnell genug ausziehen konnte. Also lenkte er sich ab. Das funktionierte meistens, solange es noch theoretisch war. Solange die Pizza noch nicht vor ihm stand. »Was hältst du davon: Wir machen die Pizza, reden dabei ein bisschen« – oder küssen uns vielleicht mehr als nur ein bisschen, fügte sein Kopf leise hinzu – »und danach spielen wir was oder schauen einen Film oder eine Serie? Oder gehen mit Nelly spazieren? Oder hören Musik?« Er zögerte kurz, bevor er weitersprach. »Hast … hast du schon mal Rent gesehen? Basiert auf einem Broadway-Musical. Ist echt ein klasse Film, aber echt alt.« Sofort schob sich der nächste Gedanke dazwischen. Mochte Nolan überhaupt Musicals? Hatten sie jemals darüber gesprochen? Wahrscheinlich nicht. Super, Charlie. »Also … nur wenn du willst«, ergänzte er schnell und spürte, wie Wärme in sein Gesicht stieg. Nicht wegen der Kälte draußen. Sondern weil er sich gerade wieder viel zu angreifbar fühlte.
Doch dann schoben sich Nolans Finger zwischen seine eigenen, ganz selbstverständlich, ganz ruhig, und sofort ließ die Spannung nach. Körperliche Nähe war wie ein Schalter bei ihm. Ein kleiner, magischer Reset-Knopf. Sein Herz machte wieder diese übertriebenen Saltos – nicht nur ein oder zwei, sondern eine komplette Zirkusshow. Und plötzlich fühlte sich alles wieder ein klein wenig leichter an.


RE: Mist drips down like fragile grace - Nolan Parrish - 20.03.2026

„Klar hab ich. Muss dir doch ebenbürtig werden. Du langweilst dich sonst nur.“ Selbstverständlich hatte er nicht geübt. Er setzte darauf, dass eines nachts eine Fee in sein Zimmer flog um ihn mit Zauberstaub zu berieseln, der ihm außerordentliche Skills in Mario Kart gab. Sollte das tatsächlich nicht passieren, dann blieb er einfach eine Niete in dem Spiel und ließ sich jedes Mal aufs Neue von Charlie platt machen. Irgendwie mochte er das sogar. Gut, nicht zwingend zu verlieren, aber Charlie siegen zu sehen.
Vor allem mochte er aber dieses schiefe Grinsen im Gesicht seines Freundes, das sein Herz in wohlige, weiche Schicht aus Watte packte. Automatisch hoben sich Nolans Mundwinkel zu einem warmen Lächeln an, während ihm durch den Kopf geisterte, wie verdammt hübsch Charlie aussah.

„Ich hab gefrühstückt“, antwortete er dann ehrlich, „und ich hatte nach der Schule einen Müsliriegel, aber der war soooo klein.“ Die Kuppen von Zeigefinger und Daumen seiner rechten Hand wurden aufeinander gelegt um zu unterstreichen, wie winzig der Müsliriegel gewesen war. „Mit dem richtigen Essen wollte ich auf dich warten. Ich dachte, wir können zusammen essen, weißt du? Ganz gemütlich.“ Immerhin war das hier ja so was wie ein Date und da aß man doch gemeinsam oder nicht? Tatsächlich fiel ein Stein von seinem Herzen, von dem er gar nicht gewusst hatte, dass er da war. Charlie stimmte nämlich nicht nur zu, dass sie Pizza machen konnten, er klang dabei auch ehrlich. Zumindest nahm Nolan nicht direkt war, dass der Lockenkopf ein Problem mit der Pizza hatte. Traurig genug, dass ihn das überraschte, aber fürs Erste nahm er das einfach so an.

Und dann kam da ein ganzer Schwall an Worten, der Nolan zeigte, dass er sich vielleicht etwas zu früh gefreut hatte. Er kannte seinen Freund und wusste, dass er dazu neigte viel zu reden, wenn er wegen etwas nervös war. Entweder das oder das Gegenteil: Konsequentes, in sich gekehrtes Schweigen konnte der Brünette nämlich auch gut. Aufmerksam hörte er dem Jüngeren zu, versuchte die Worte direkt weiterzuverarbeiten in Informationen, legte aber letztlich seine Hände an die schmale Taille des Anderen und dirigierte ihn wenige Schritte nach hinten, bis er die Wand im Rücken hatte. „Okay. Wir machen Pizza, dabei reden wir. Nelly muss nicht mehr raus, aber wir können danach gerne Rent gucken. Kenn ich noch nicht, aber das sollten wir ändern.“ Sein Daumen strich sanft über den Stoff von Charlies Shirt. „Aber wenn du nichts dagegen hast, möchte ich dich erst noch was küssen?“
Er kam dem Gesicht des Anderen näher, rieb sanft seine Nase an Charlies. „Darf ich?“ Sein Blick wanderte von seinen Augen zu seinen Lippen. Er wollte ihn so gerne küssen. Vor allem wollte er aber, dass Charlie sich entspannte und seiner Erfahrung nach, halfen ihm Küsse dabei ziemlich gut weiter.


RE: Mist drips down like fragile grace - Charlie Deering - 04.04.2026

Mit dem richtigen Essen auf ihn warten zu wollen – das klang einfach … schön. Irgendwie nach einem richtigen Date. So wie in Filmen, in denen alles immer so leicht wirkte: zusammen in der Küche stehen, nebenbei Musik laufen lassen, ein bisschen tanzen, sich küssen und einfach … glücklich sein. Und genau das hoffte Charlie gerade. Dass es sich genau so anfühlen würde. Und selbst wenn nicht – selbst wenn sie einfach nur nebeneinander standen und irgendwas zusammen zusammenschusterten – es würde gut sein. Weil es mit Nolan war. Für einen kurzen Moment machte sein Herz bei dem Gedanken daran einen kleinen Sprung und sogar das ganze Thema Essen rückte in den Hintergrund. Einfach nur der Moment. Einfach nur er und Nolan. So wie es bei anderen Menschen scheinbar immer war.
Aber natürlich hielt das nicht lange an. Die Gedanken kamen zurück. Leise zuerst, dann lauter. Die Sorge, dass er die Pizza nicht wirklich essen konnte. Dass Nolan es merken würde. Dass er wieder nur daran herumnippte, während sein Freund einfach … aß. Der Druck legte sich auf seine Brust, während gleichzeitig diese bekannte Leere in ihm auftauchte. Diese Mischung aus zu viel und gar nichts. Und ehe er sich versah, war er mittendrin. Wie konnte er es vermeiden? Würde Nolan ihm glauben, wenn er sagte, er sei nach zwei Bissen satt? Wollte er ihn wirklich anlügen? Oder wäre die Wahrheit schlimmer? Würde das alles zu viel sein? Würde er zu viel sein? Würde Nolan ihn dann anders ansehen? So wie ihn andere in der Vergangenheit schon oft angesehen haben? Würde sich Nolan von ihm trennen und ihm sagen, welche unsagbare Belastung er doch war? Die Gedanken überschlugen sich, wurden schneller, enger, lauter. Sein Hals wurde trocken, sein Atem flacher. Er kannte das. Viel zu gut. Er wusste genau, was da gerade auf ihn zurollte. Er stand direkt davor. Und er …

… wurde zurückgeholt.

Durch Nolans Stimme. Durch seine Nähe. Durch die Hand an seiner Taille, die ihn sanft, aber bestimmt gegen die Wand drückte. Als Charlie die kühle Oberfläche in seinem Rücken spürte, war es, als würde jemand einen Schalter umlegen. Die Gedanken wurden leiser. Nicht weg, aber weiter entfernt. Und stattdessen war da dieses Kribbeln. Dieses warme, aufgeregte, gute Kribbeln, das sich durch seinen ganzen Körper zog. Sein Herz stolperte ein bisschen, seine Haut wurde warm, während sein Kopf für einen Moment einfach still war. Nur Nolans Nähe zählte. Der Daumen, der ihn streichelte, ließ ihn leicht erröten und ein kleines, fast schon hilfloses Lächeln huschte über sein Gesicht. Selbst die Kälte, die sonst immer irgendwo in ihm saß, war verschwunden.
»Küssen klingt gut«, murmelte er leise, ein wenig verlegen, als sich ihre Nasen berührten. Als Nolan fragte, nickte er sofort und ohne wirklich darüber nachzudenken, legte er seine Arme um ihn und zog ihn ein kleines Stück näher. »Ja«, kam es nur noch leise von ihm, bevor er selbst die Distanz überbrückte und seine Lippen auf Nolans legte. Es war nicht zögerlich. Nicht diesmal. Und sofort war da dieses Gefühl – dieses unglaublich leichte, schwebende, fast schon unwirkliche Gefühl, als würde er irgendwo zwischen Himmel Nummer sieben und neun festhängen. Seine Hände wanderten vorsichtig über Nolans Rücken, tasteten sich entlang, als würde er sich jedes kleine Detail einprägen wollen. Jede Bewegung. Jede Wärme. Als sie sich schließlich voneinander lösten – zu früh, viel zu früh – war Charlie noch röter als zuvor und sah ihn mit einem Lächeln an, das er selbst nicht mehr kontrollieren konnte. Es war einfach da. Ehrlich. Überfordert. Aber absolut und unaussprechlich glücklich.
»Manchmal frage ich mich ja, wo du gelernt hast so zu küssen«, sagte er mit einem schiefen Grinsen, mehr um sich selbst ein bisschen runterzuholen als alles andere. Und er meinte damit nicht nur den Kuss. Sondern alles daran. Diese Sicherheit. Diese Nähe. Dieses Gefühl, genau im richtigen Moment genau das Richtige zu tun. Und ja, auch irgendwie die Geste, wie Nolan die Initiative ergriff und ihn leicht aber bestimmt gegen die Wand geschoben hatte.