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Mist drips down like fragile grace - Druckversion

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Mist drips down like fragile grace - Nolan Parrish - 21.02.2026

Zielgerichtet hatte er den Einkaufswagen heute durch den Supermarkt geschoben um all die Dinge einzuladen, die Charlie in der Theorie gerne mochte. In der Praxis war er sich trotzdem nicht sicher, ob sein Freund irgendwas davon anrühren würde. In letzter Zeit schien der Lockenkopf damit nämlich Probleme zu haben und sie waren mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem Nolan sich wirklich Sorgen machte und sich zeitgleich nicht sicher war, ob er sich Dinge vielleicht einfach nur einbildete. Er selber hatte heute sturmfrei und hatte seinen Freund daher eingeladen vorbeizukommen. Vordergründig um einfach die Zeit mit ihm zu genießen und ihm den Raum zu geben, hier einfach mal ausspannen zu können. Zeitgleich würde er die Gelegenheit aber auch nutzen um zu ergründen, ob er sich Dinge einbildete oder ob er sich vielleicht doch Sorgen gemacht hatte.

Sein Zimmer hatte er picobello aufgeräumt und sauber gemacht, er hatte eine Vorauswahl an Filmen und Serien rausgesucht, damit Charlie es leichter fiel sich zu entscheiden und falls ihm kalt sein würde, hatte er seinen Pullover nach dem Duschen nicht in die Schmutzwäsche gelegt, sondern zusammengefaltet auf dem Nachttisch platziert. Schmutzig war er nicht und er wusste, dass Charlie gerne seine getragenen Pullover trug.
Der erste Gedanke war gewesen, voll all in zu gehen und sich richtig Mühe zu geben, in dem er selber kochte und seinen Freund mit ein kitschigen Dinner überraschte. Er fürchtete nur, dass das vielleicht zu viel des Guten war und den Anderen eher überfordern würde. Letztlich hatte er sich also dazu entschieden zweierlei Eissorten zu kaufen (Schokolade und Haselnuss), etwas Obst, das man gut nebenbei snacken konnte und Pizzateig, den sie gemeinsam belegen konnten. Das war alles recht einfach, aber einfach war ja oft die beste Entscheidung.

Zum Schluss hatte er noch den Hund ausgeführt, Nelly durfte immerhin nicht zu kurz kommen!, und so konnte er federnden Schrittes zur Tür eilen, als er das melodische Klingeln hörte. „Hi“, grüßte er Charlie direkt mit einem warmen Lächeln im Gesicht, während sein Herz beim Anblick des Anderen gleich ein paar Takte schneller schlug. Mit all seinen Ecken und Kanten, mit all seinen Problemen und Lasten, die er auf den Schultern trug, war Charlie für ihn zum Inbegriff der Perfektion geworden. Er liebte diesen Jungen. So sehr, dass er sich wünschte, die ganz Welt wüsste davon. Und zeitgleich hatte er eine Heidenangst davor, dass die ganze Welt wusste, wie viel Charlie ihm bedeutete, weshalb es bisher nur ein paar enge Freunde und Familienmitglieder wussten. Na gut, fürs Erste musste das halt reichen. Erst mal trat er nun aber zur Seite, damit sein Freund eintreten und er die Tür hinter ihm schließen konnte. Kaum war das erledigt, legte er seine Arme um ihn und drückte ihn erst mal. „Du hast mir gefehlt.“ Immerhin hatten sie sich schon seit beinahe 24 Stunden nicht gesehen! Es folgte ein Blick in die Augen des Anderen und von den Augen auf die Lippen, ehe er ihn schließlich zu einem sanften Begrüßungskuss heranzog. Zumindest bis Nelly das Ganze zu bunt wurde und sie vehement ihre Nase an Charlies Bein stupste. Warum war sie denn noch nicht begrüßt worden?!


RE: Mist drips down like fragile grace - Charlie Deering - 22.02.2026

Er war schon oft bei Nolan zu Hause gewesen. Hatte mit ihm Zeit verbracht. Mit Nelly gespielt. Mit Nolans Mom in der Küche gesessen und Smalltalk geführt. Und trotzdem – obwohl er dort inzwischen fast ein und aus ging wie selbstverständlich – fühlte es sich jedes Mal ein bisschen besonders an. Dieses schöne Komisch. Dieses Oh mein Gott, ich bin wirklich hier-Gefühl. Vielleicht war genau das der Grund gewesen, warum er so lange vor seinem Kleiderschrank gestanden hatte. Hausaufgaben waren erledigt, das Kunstprojekt fast fertig, Schlagzeug hatte er auch schon geübt – also hatte er Zeit gehabt. Und die hatte er genutzt. Zu intensiv vielleicht. Zu viele T-Shirts. Zu viele Pullover. Cardigans. Jacken. Alles sah plötzlich entweder zu bemüht oder zu langweilig aus. Die Jeans wirkten zu eng. Oder zu weit. Oder einfach falsch. Seine Haare? Katastrophe. Er hatte sich mindestens dreimal wieder umgezogen. Am Ende war es dann doch etwas geworden, worin er sich wirklich wohlfühlte. Ein dunkelgrünes T-Shirt, darüber ein gestreifter, bunter Pullover. Schwarze Jeans mit Löchern an den Knien – auch wenn ihm jetzt schon klar war, dass ihm kalt werden würde. Und natürlich seine abgetragenen, weißen Chucks, die längst nicht mehr wirklich weiß waren. Die gingen immer. Kuschelige Jacke drüber, letzter Blick in den Spiegel – die Haare saßen … irgendwie – und dann war es okay. Nicht perfekt. Aber okay. Charlie verabschiedete sich noch von seinem Stiefdad, seiner Mom und seinen beiden Schwestern, bevor er das Haus verließ. Und auf dem Weg zu Nolan konnte er dieses Grinsen einfach nicht unterdrücken.

Dieses Kribbeln war wieder da. Dieses dumme, schöne, nervöse Kribbeln, das jedes Mal auftauchte, wenn er an Nolan dachte. Nie im Leben hätte Charlie gedacht, dass er irgendwann Nolan Parrisch seinen Freund nennen würde. Diesen Jungen mit den unfassbar schönen Augen. Mit den Armen, in denen er sich immer ein bisschen sicherer fühlte als überall sonst. Und ja – sie waren ein Paar. Auch wenn es nicht so öffentlich war, wie Charlie es sich manchmal wünschte. Aber er würde Nolan niemals drängen. Niemals. Nicht nach allem, was er selbst erlebt hatte. Nicht nachdem er unfreiwillig geoutet worden war. Vor allen. Und danach …
Nein. Stopp. Nicht da reinrutschen. Nicht heute. Er schüttelte innerlich den Kopf, als würde er die Gedanken abschütteln können, und konzentrierte sich stattdessen auf das Haus vor ihm. Das bekannte Klingelschild. Den Weg zur Tür. Er klingelte. Die Tür ging auf. Nolan stand da. Und allein dieses Bild reichte schon, um Charlies Herz einen kleinen Aussetzer verpassen zu lassen. »Hi«, sagte er, und hoffte, dass man nicht hören konnte, wie sehr seine Stimme gerade versuchte, ruhig zu klingen. Und da waren sie wieder: die Schmetterlinge. Er trat ein und wurde sofort in den Arm gezogen. Geküsst. Einfach so. Und Charlie erwiderte es sofort. Natürlich tat er das. Er liebte es, Nolan zu küssen. Seine Lippen waren weich. Warm. Und diese Arme … er mochte sie wirklich. Sehr.

»Du hast mir auch gefehlt«, murmelte er, noch ein bisschen atemlos, bevor er nach unten sah. Nelly stupste ihn aufgeregt an. Charlie lachte leise und ging in die Hocke, kraulte die Hündin mit beiden Händen. »Dich habe ich natürlich noch mehr vermisst. Alleine deinetwegen wäre ich heute hergekommen, Nelly.« Okay, das stimmte vielleicht nicht ganz. Er war wegen Nolan hier. Definitiv wegen Nolan. Aber Nelly war eben auch ziemlich perfekt. Als die Hündin zufrieden davontrottete, zog Charlie seine Jacke aus, hielt sie noch locker in der Hand und sah zu Nolan hoch. Sein Herz klopfte wieder schneller. Nicht aus Angst. Sondern aus Vorfreude. »Also …«, begann er grinsend und fuhr sich kurz durch die Haare, »sturmfrei heute. Meine Mom will, dass ich um zehn zu Hause bin. Dad meinte, elf geht auch klar – und er regelt das mit ihr.« Er zuckte leicht mit den Schultern. »Wir haben also viel Zeit.« Ein schiefes Grinsen erschien auf seinem Gesicht. »Hast du irgendwas geplant? Oder soll ich dich wieder bei Mario Kart vernichtend schlagen?« Er knuffte ihn mit der Faust scherzhaft gegen die breite Brust.